Heidschnuckenwolle: Dünger statt Müll

Heidschnucken by Martina Hartmann

Besonders in Norddeutschland sind die leicht zu haltenden Heidschnucken weit verbreitet. Das Fleisch ist aufgrund des wildartigen Geschmacks sehr beliebt. Die gehörnten Heidschnucken mit ihren dünnen schwarzen Beinchen tragen eine graue und extrem lange Wolle. Im Gegensatz zum beliebten Fleisch ist die Wolle in Deutschland mehr oder weniger wertlos, da sie hierzulande fast nicht mehr verarbeitet wird. Aufgrund der rauen und strähnigen Struktur kann sie nicht zur Textilverarbeitung genutzt werden. Inzwischen müssen immer mehr Schafbesitzer den natürlichen Rohstoff Wolle kostenpflichtig auf Deponien entsorgen lassen. Dabei ist die Schafwolle aufgrund vieler Eigenschaften eine wertvolle und nährstoffreiche Ressource, die mehrfache Verwendungsmöglichkeiten bietet. In Zeiten von Klimawandel und dem zunehmenden Bedarf an Ressourcen ist es wichtig im Sinne der Nachhaltigkeit zu agieren. Um den natürlichen Ressourcenkreislauf aufrechtzuerhalten sollte was der Natur entnommen wurde auch zurückgezuführt und nicht auf Deponien entsorgt werden. Die Nährstoffe bleiben so im Kreislauf zwischen Schaf, Pflanzen und Boden und sind damit nachhaltig verfügbar.

Nutzung der Heidschnuckenwolle 

Die Wolle eignet sich als Dämmstoff und ist durch ihre Eigenschaft als nicht leicht entflammbarer Stoff auch im Brandschutz zu finden. Bisher wird die Heidschnuckenwolle jedoch nur in sehr seltenen Fällen in diesen Bereichen eingesetzt.  Im Gegensatz zu den genannten Verwendungsmöglichkeiten bietet die Pelletierung von Schafwolle eine nachhaltige und ökologisch sinnvolle Nutzung der wertvollen Inhaltsstoffe als organisches Düngemittel.

Gemeinsam mit dem Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt Universität zu Berlin wurde dieses innovative ökologische Produkt entwickelt – Schafwollpellets aus grob wolliger und verschmutzter Schafschurwolle.  

Forschung hinter diesem Projekt

Wie werden die Schafwoll-Pellets hergestellt? Bei der Herstellung von Pellets wird die ungewaschene Wolle eines Schafs mechanisch aufbereitet, getrocknet und dann pelletiert. Bei diesem Vorgang wird komplett auf Zusatzstoffe und Bindemittel verzichtet. Somit können diese Pellets auch im ökologischen Landbau als Düngemittel eingesetzt werden.

Die Nutzung der Schafwollpellets als langfristiger Dünger wurde  bei Versuchen des Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen e.V. im Garten- und Landschaftsbau untersucht. In diesen Forschungsuntersuchungen wurden verschiedene Zierpflanzen sowie Gemüsearten, wie Tomaten, Eisbergsalat und Kohlrabi betrachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung von Schafwollpellets generell Ertragssteigerungen erzielen konnte. Neben dem Düngeeffekt können die Pellets zusätzlich Wasser aufnehmen und über einen längeren Zeitraum halten. Die äußerst nährstoffreichen Schafwollpellets bieten damit eine gute Alternative zu angebotenen Düngemitteln.

Bei Vegetations-Versuchen hat sich gezeigt, dass die Düngewirkung in Abhängigkeit der zugeführten Menge an Schafwollpellets sichtbare Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum hat. Das folgende Bild zeigt Pflanzen in einer Versuchsreihe über den Zeitraum von 8 Wochen mit unterschiedlicher Zugabe an Schafwolldünger. Das optimale Ergebnis wird hier bei 10g Schafwolldünger pro Liter Pflanzenerde erreicht.

Gefördert wurde dieses Projekt außerdem durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), durch die Vereinigung der Landesschaftzuchtverbände (VDL) und war Teil des EU-Projekts “Value4Wool” aus dem Programm Eco-innovation.

Im Juni war es soweit!

Wir haben mit einem Betrieb aus der Nähe von Hannover die Wolle von 80 Heidschnucken zu organischen Düngepellets verarbeitet!

Unser Ansprechpartner für dieses Projekt ist Martina. Schreibt ihr eine Mail wenn ihr weitere Fragen habt.