Landwirtschaft braucht mehr Forschung zum Thema Treibhausgase

Weide mit Kühen mit grauen Wolken by canva.com

Wir von S3 sehen es gerne, wenn Themen mit Nachhaltigkeitsbezug in den Medien diskutiert werden. Wir würden uns aber auch wünschen, dass im Kontext medialer Darstellung alle wichtigen Aspekte von Problemen berücksichtigt werden, es weniger um Schuldzuweisungen und mehr um Lösungsvorschläge geht. Die aktuelle Diskussion um Hilfen aus Steuergeldern für die Landwirtschaft ist ein gutes Beispiel dafür.

Hilfen für die Landwirtschaft sind grundsätzlich richtig

Landwirte sind Unternehmer, genau wie Textilproduzenten oder Hersteller von Elektronikartikeln. Nur sind Landwirte viel stärker abhängig von der Umwelt. Sie können ihre Produktion nicht kurzfristig anpassen, wenn das Wetter sich ändert. Anders als bei anderen Unternehmern formen sie auch maßgeblich unsere Landschaft, indem sie sich für den Anbau von Monokulturen oder die Viehwirtschaft auf Grünflächen entscheiden.

Verschiedene Monokulturen /by canva.com

Und sie produzieren unsere Lebensmittel. Und auf diese kann niemand von uns verzichten – an der Supermarktkasse mehr bezahlen ohne qualitative hochwertigere Produkte zu bekommen möchten wir auch nicht. Wenn Kleidung teurer wird, gehen wir halt weniger shoppen und ärgern uns vielleicht. Wenn Lebensmittel teurer werden, wirkt sich das auf alle Verbraucher aus. Mit den Zahlungen für Landwirte hilft der Staat indirekt die Lebensmittelpreise stabil zu halten und unterstützt die Existenz kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe. Diesen droht aufgrund des Extremwetters schneller das Aus und das führt zu mehr Großbetrieben. Intensive Landwirtschaft könnte so noch mehr zunehmen und das würde auch zunehmende Umweltprobleme bedeuten.

Der Landwirt als Opfer und Verursacher

Vielfach wird in Diskussionen darauf hingewiesen, der Landwirt wäre ja nicht nur das Opfer des Klimawandels, sondern auch der Verursacher. Grundsätzlich mag das ja stimmen, trifft aber eigentlich auf jeden von uns zu. Landwirte sollen sich aktiver am Klimaschutz beteiligen, wird vielfach gefordert. Wenn die Gesellschaft der Landwirtschaft hilft wird als Gegenleistung auch erwartet, dass die Landwirtschaft deutlich mehr Klimaschutz betreibt. Das ist auch grundsätzlich ein guter Ansatz. Allerdings muss man den Landwirten zugestehen, dass sie vor einem ähnlichen Problem stehen wie jeder von uns, wenn er nachhaltiger leben möchte. Wer von uns weiß denn, wie viel es ausmacht ob ich den Müll nun trenne oder nicht oder ob es tatsächlich Sinn macht, Wasser zu sparen oder ein Elektroauto zu kaufen? Ähnlich geht es dem Landwirt, denn auch er muss sich erstmal Gedanken über seine Auswirkungen auf das Klima machen und diese Informationen zu finden ist nicht so einfach.

Emissionen aus der Landwirtschaft sind schwierig zu bestimmen

Es wird geschätzt, dass weltweit etwa ein Drittel aller klimarelevanten Treibhausgase aus der Landwirtschaft stammen. Für Deutschland schätzt das Umweltbundesamt den Anteil der Emissionen aus der Landwirtschaft auf 7,2 % der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen des Jahres 2016. Wenn Wälder oder Moore in Agrarflächen umgewandelt werden, wird CO2 freigesetzt. Rinderhaltung und Reisanbau erzeugen Methan und durch mineralischen Dünger wird Lachgas freigesetzt. Das dies so ist, wissen wir, aber Zahlen, die für landesweite Abschätzungen berechnet und herausgegeben werden, sind mit einer hohen Unsicherheit behaftet. Wirklich verlässliche Zahlen gibt es für kaum eine landwirtschaftliche Quelle von Treibhausgasen. Meist sind sie nur grobe Schätzungen. Besonders schwierig ist es, Emissionen von großen Flächen zu bestimmen, die stark von Wetterverhältnissen und Bodenbeschaffenheit abhängig sind. Das sind zum Beispiel die Entstehung von Lachgas aus mineralischen Dünger oder das Wirtschaftsdünger-Management von Milchkühen und Mastschweinen.Traktor auf dem Feld /by canva.com

Die Landwirtschaft ist sich ihrer Auswirkung auf den Klimawandel bewusst

Umfragen unter Landwirten haben gezeigt, dass diese sich ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst sind. Doch sie zeigen auch, dass es den Landwirten an Wissen fehlt, um ihre Auswirkungen abzuschätzen und es kaum Innovationen gibt um ohne Ertragseinbußen die Betriebe umweltschonender zu bewirtschaften. Die Auswirkungen der Dürre auf zahlreiche Landwirte macht deutlich, dass das System Landwirtschaft wirtschaftlich an seine Grenzen stößt. Aber anstatt Innovationen zu fördern, die zukünftige Schäden verhindern können, werden Gelder für nachträgliche Hilfe bewilligt. Was wir eigentlich brauchen, sind gute Ideen, die auf dem Wissen basieren, dass im Rahmen von Forschungsprojekten bereits zusammengetragen wird. Nur wenn dieses Wissen auch den Weg zum Landwirt findet, kann dieser sein Verhalten anpassen und das führt letztendlich auch zu weniger Umweltbelastung.