Sollte man Wildvögel füttern oder nicht?

Meise im Winter

Das ist doch kinderleicht! Dann kann es doch nicht wissenschaftlich sein, denn Wissenschaft ist doch so kompliziert. Mit unserer Kindergruppe zeigen wir euch, dass auch kleine Versuche im eigenen Garten den Kindern Spaß machen und uns Erwachsenen auch etwas beibringen können. Schon von unserer Oma haben wir von Kind auf an gelernt, dass wir unseren Gartenvögeln dann mit Vogelfutter helfen sollten, wenn ihnen im Winter eine Schneedecke und lange Frostperioden die Futtersuche erschweren. Heute hört man aber auch gelegentlich, dass Wildvögel sich doch eigentlich problemlos selbst versorgen könnten und das Füttern die Vögel sogar faul machen würde. Außerdem würden die Futterstellen Räuber anlocken und Krankheitserreger könnten sich leicht verbreiten. Wir geben zu, das ist auch verwirrend.

Was weiß die Wissenschaft über die Vogelfütterung im Garten oder auf dem Balkon? 

Wir haben mal recherchiert. Ein sehr erfahrener und bekannter Vogelkundler ist Prof. Dr. Peter Berthold, pensionierter Leiter des renommierten Max-Planck-Institutes für Ornithologie. Er ging in wissenschaftlichen Untersuchungen verbreiteten Annahmen über das Vogelfüttern auf den Grund – und fand zum Beispiel heraus, dass Vogelhäuschen keineswegs Keimschleudern sind. Wir brauchen also keinen Grund zu der Sorge haben, dass sich unsere Gartenvögel am Futterhäuschen mit Krankheitserregern anstecken.

Müssen wir unser Vogelhäuschen putzen?

Es sind keine besonderen Hygienemaßnahmen erforderlich, selbst wenn wir im Garten oder auf dem Balkon das ganze Jahr über füttern. Und genau dazu rät nicht nur Prof. Berthold dringend. In unserer großteils intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft sinkt die Zahl der Insekten sowie der samen- und früchtetragenden Pflanzen und damit auch die der Wildvögel. Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands stehen mittlerweile drei Viertel der Offenlandarten. Nicht alle, aber viele dieser Arten lassen sich mit der Fütterung in Gärten unterstützen, und das nicht nur im Winter. Denn Futtermangel herrscht inzwischen das ganze Jahr. Auch von der Universität Cambridge geleitete Auswertungen zahlreicher internationaler Studien zeigen, dass die Fütterung insbesondere von Singvögeln deren Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht.

Und was hat unsere Kindergruppe herausgefunden?

Einige unserer Kindergruppenmitglieder haben mehr als ein Jahr im heimischen Garten Wildvögel gefüttert, beobachtet und alle Daten ausgewertet: Täglich wurden die Futterstellen von insgesamt um die 25 Vogelarten besucht, je nach Jahreszeit waren es vor allem Haussperlinge, Stare oder verschiedene Meisen. Aber auch weniger bekannte Arten wie Heckenbraunellen, Wintergoldhähnchen, Birkenzeisige oder Bergfinken waren dabei. Und tatsächlich, erstaunlich große Futtermengen von mehreren hundert Gramm täglich wurden keineswegs im Winter, sondern in den Monaten Mai und Juni vertilgt, während der Brut- und Jungvogelzeit. Belohnt wurden die Kinder mit einer großen Zahl an Jungvögeln, die sich bestens beobachten ließen.

Wir backen Futterkuchen

Unsere Kindergruppe wird sich in diesem Jahr weiterhin intensiv mit den heimischen Vögeln und ihrem Schutz befassen. Anfang Januar 2019 trafen sich die Kinder das erste Mal und stellten aus Streufutter, Rosinen, Mehlwürmern und Fett ihre eigenen Futterkuchen zum Aufhängen her. Sie lernten die Unterscheidungsmerkmale der häufigsten Gartenvögel kennen und nahmen an der Vogelzählaktion des Nabu e.V. teil. Jedes Kind berichtete außerdem über die Gepflogenheiten zur Vogelfütterung in der eigenen Familie. Am Ende des Jahresprojektes möchten wir schauen, ob wir durch unser Projekt Veränderungen hin zu mehr Ganzjahresfütterung erreichen können.