Gutes richtig tun – Freiwilligentourismus in Brasilien

Sicht auf Regenwald vom Amazonas @canva.com

Unter Palmen am Strand liegen, mit Skiern die Alpen herunterfahren oder doch lieber eine Schule in Afrika bauen? Wer einen Urlaub mit Sinn machen möchte, sollte Freiwilligentourismus ausprobieren. 

Ein Jeep schiebt sich zahlreiche Kilometer durch den amazonischen Regenwald. Rechts und links der teilweise überfluteten Schotterstraße ist es grün soweit das Auge reicht. Es lässt sich nur erahnen, was sich hinter einer tiefgrünen Wand aus Pflanzen verbirgt. Nach einigen Stunden Fahrt durch unwegsames Gelände erreicht die Gruppe eine kleine abgelegene Siedlung am Ufer des Amazonas. In den nächsten zwei Wochen werden sie helfen, eine Schule für die Kinder der Dorfgemeinschaft zu bauen. 

Projekte wie diese gibt es inzwischen überall auf der Welt. Denn nicht jeder der Urlaub machen möchte, ist ausschließlich auf der Suche nach Erholung. Inzwischen ist es immer beliebter geworden den eigenen Urlaub mit einem positiven Zweck zu verbinden. Basierend auf diesem Gedanken ist der Freiwilligentourismus, oder auch Voluntourism entstanden. Er kombiniert Urlaubsreisen mit Aktionen, die sich auf soziale und ökologische Belange konzentrieren und sich positiv auf den Ort des Besuchs auswirken sollen. 

Flávia Lenci aus Brasilien begleitet solche Projekte bei Ihrer Umsetzung. Allerdings macht sie keinen Urlaub, denn die Masterstudentin der Universität São Paulo interessiert sich für die Stärken und Schwächen der Projekte in Zusammenarbeit mit örtlichen Gemeinschaften. Ursprünglich war sie selbst als Freiwillige im Amazonasgebiet tätig und hat sich dabei gefragt, inwiefern sowohl Besucher als auch Einheimische durch die Projekte beeinflusst werden. „Wenn wir bedenken, dass Freiwillige meistens aus städtischem Wohnumfeld kommen und sich von der Natur entfernt haben, dann stellt sich auch die Frage, wie sie durch die naturnahen Lebensstile beeinflusst werden oder die Gemeinschaften durch ihre Anwesenheit beeinflussen.“ 

Brasilianische Flagge

In ihrer Masterarbeit hat Flavia daher entschieden den Schwerpunkt auf öko-soziale Nachhaltigkeit zu legen. Sie geht davon aus, dass bei jeder Aktivität, auch wenn sie gestaltet wurde, um einen positiven Fußabdruck zu hinterlassen, unerwünschte Nebeneffekte entstehen können. So ist davon auszugehen, dass menschliche Grundbedürfnisse wie Bildung und medizinische Versorgung zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen. Werden die äußeren Einflüsse auf die Gemeinschaften allerdings zu hoch, kann es auch zu einem Verlust der Identität und eine Verschiebung von Werten innerhalb der Gemeinschaft kommen. 

Wie das Ergebnis ihrer Studie aussehen wird, kann Flávia noch nicht sagen. Vier Tage lang hat sie das lokale Unternehmen Vivalá nach Lago do Acajatuba im westlichen Amazonasgebiet begleitet. Durch ihre Projekte hofft Vivalá lokales Unternehmertum zu stärken. „Ziel des Unternehmens ist es durch gezieltes Mentoring Unternehmer zu befähigen, ihr eigenes Geschäft auszubauen und Einkommen generieren zu können“ merkt Flávia an, „Gleichzeitig lernen die Touristen die Realität des Lebens im Amazonasgebiet kennen.“

Diese Studie soll als Wegweiser dienen, um zukünftige Konflikte zu vermeiden. Es geht Flávia darum, Aufmerksamkeit auf einen wachsenden und wenig regulierten Industriezweig zu lenken. Seit einigen Jahren nimmt der Freiwilligentourismus in Brasilien deutlich zu. Darum dokumentiert sie die Strategien der Unternehmen und befragt die lokalen Gemeinschaften vor Ort. Ihr Ziel ist es Gutes besser zu tun!

Hier geht es zu unserer Projektbeschreibung und unserem Partner NAPRA in Brasilien.