Die Stadt der Zukunft – grüne Ansätze für die Stadtentwicklung

Beitragbild - Steingarten

Wie sieht die Entwicklung der Städte von heute aus, wie die der Städte von morgen? Wird es Stadtlandschaften mit vorgegebenen, verpflichtenden grünen Elementen geben? Welchen Einfluss wird dabei die Trendbewegung Urban Gardening haben? All diese Fragen muss sich auch die Stadtplanung stellen und für die Zukunft den Begriff Stadt neu definieren.

Was ist die Stadt?

Zurzeit ist eine Stadt lediglich eine mengenmäßig große Ansammlung von Bauwerken und Siedlungen. Manchmal wird sie auch als Konglomerat aus mehreren Städten oder Siedlungen beschrieben. Sie besteht aus einem Geflecht unterschiedlich gestalteter und genutzter Gebäude und Freiräume und wirkt gleichzeitig in einem weltweiten Netz aus Handelsbeziehungen und Kommunikation mit. Grüne Elemente spielen eine untergeordnete Rolle. Sie sind kein Bestandteil der Definition Stadt. 

Perspektivwechsel

Doch die Sichtweisen in den Städten verändern sich zunehmend. In der zukunftsfähigen Stadt werden landschaftliche Elemente wie Parks und Grün- und Wasserflächen an Bedeutung gewinnen. Sie erfahren schon heute eine Wertschätzung unter Bezeichnungen wie „Urbanes Grün“ und „StadtNatur“. Dadurch lässt sich „Städtisches“ und „Ländliches“ nur noch selten eindeutig dem urbanen oder ländlichen Raum zuordnen. Das Verschwimmen dieser Grenzen formt neue Stadtlandschaften, die sich mal zu einem neuen Ganzen, mal zu einem patchworkartigen Nebeneinander oder zu einem ungeordneten Raum anordnen. Die neu entstehenden Stadtlandschaften verbinden das vormals Städtische, das Moderne, mit dem vormals Ländlichem, dem Traditionellem.

Konzept aus Sicht der Stadt 

In vielen Städten wird versucht unter sogenannten Grünen Landschaftsachsen, die Stadt fließend ins Grüne Umland überzuleiten bzw. das grüne Umland übergangslos in die Stadt zu integrieren. Landschaftsachsen können grüne Wege mit mächtigen Bäumen entlang von Kleingärten, Spielplätzen und Friedhöfen sein und über Wälder, Naturschutzgebiete und Kulturlandschaften aus der Stadt hinausführen bzw. in sie hineinführen. Sie werden häufig durch grüne Ringe verbunden, die wiederum Parks und Grün- und Wasserflächen miteinander verbinden. In Hamburg wird das Konzept unter dem Namen Hamburgs Grünes Netz – Landschaft in der Stadt auf zwei Ringen und zwölf Landschaftsachsen zusammengefasst. Dagegen wird in Hannover ein anderes Konzept umgesetzt, in dem den grünen Elementen durch ein Förderprogramm für Dach- und Fassadenbegrünung und Bodenentsiegelung mehr Raum gegeben wird. 

Grüne Bewegung Urban Gardening

Eine Bewegung der Städte ist Urban Gardening, eine neue Form des gemeinschaftlichen Gärtners mitten in der Stadt. Es entstehen offene Orte, an denen man unter anderem erfahren kann, wo unsere Nahrungsmittel herkommen und wie sie angebaut werden, welche Obst- und Gemüsesorten aus der Region stammen und der Jahreszeit entsprechen oder was biologische Vielfalt bedeutet. Gleichzeitig werden aktuelle Herausforderungen, wie der Klimawandel und der Mangel an Grün- und Freiflächen in den Städten, aufgegriffen und pragmatisch bearbeitet, so dass höherwertige Erholungsräume entstehen, die gleichzeitig die naturräumliche Lebensqualität erhöhen. 

Die Beweggründe für Urban Gardening sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von der Herausforderung der Stadtplanung durch eigenständiges Begrünen der Stadt über Selbstversorgung durch eigene Nahrungsmittelernte bis zu Entschleunigung und Kontakt zu Mitmenschen. All dies führt zu einer Veränderung des Verständnisses von Stadt und ruft eine Transformation zu einer nachhaltigen und offenen Gesellschaft hervor, in der ein urbaner Lebensstil durchaus die Naturerfahrung miteinschließen kann. Urban Gardening ist damit ein Baustein, um unsere Städte zukunftsfähig und vor allem lebenswerter zu gestalten.

Zusammenhang zum Projekt Stadtoasen

In meinem Projekt möchte ich exemplarisch an der Projektregion Oldenburg aufzeigen, wie der städtische Raum zu einem Naturraum mit hoher Lebens- und Arbeitsqualität werden kann. Über eine Ist-Analyse des aktuellen Stands der modernen Begrünungskonzepte wird eine Urban Gardening Gartenkarte, ein Kataster, entstehen. Darin sollen alle Flächen aufgeführt werden, auf denen bisher Urban Gardening betrieben wird sowie potenzielle private und öffentliche Flächen für eine entsprechende Nutzungsumwandlung. Das Ziel des Projekts ist es aufzuzeigen, wie das Zusammenfinden der Stadt und der Natur durch Gärten in der Stadt aussehen kann. Dabei soll die Lücke zwischen privatem und öffentlichen Gärtnern geschlossen werden, indem verschieden Gartenansätze miteinander verbunden werden. Die Ergebnisse sollen verdeutlichen, in wie weit dieser Prozess in einer mittelgroßen Stadt, in der die grünen Elemente schon einen hohen Stellenwert einnehmen, bereits vorangeschritten ist und wie diese Entwicklung noch verbessert werden kann.