Das Paranuss-Projekt in Brasilien

Mit Paranüssen die nachhaltige Nutzung der amazonischen Regenwälder unterstützen

Kurz zusammengefasst

Darum geht es

Dieses Projekt zielt darauf ab, gemeinsam mit den Menschen in Cuniã Lake die nachhaltige Produktion und Vermarktung von Paranüssen zu fördern. Durch die Stärkung und Förderung der Waldgemeinde in allen Schritten der Lieferkette, zusammen mit der Vermittlung von Wissen über bewährte Verfahren und nachhaltige Landwirtschaft, werden die Strukturen innerhalb der Gemeinde aufgewertet und die natürliche Ressource Regenwald geschützt.

Projektland

Brasilien

Finanzierungsbedarf

4000 Euro

Ihr findet dieses Projekt und Lena’s Engagement so großartig wie wir? Dann schaut doch mal bei unseren aktuellen Projekten vorbei. Dieses wurde erfolgreich finanziert und durchgeführt.

Die Gründe für die Abholzung von tropischen Regenwäldern sind vielfältig. Oft spielen Landgewinnung für Plantagen, Abbau von Bodenschätzen oder Ausbau der Infrastruktur eine Rolle. Alleine von 2002 bis 2016 wurden im brasilianischen Teil Amazoniens 180.000 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt, wie  das brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) aus Satellitendaten ermittelt hat. Zum Vergleich: Hamburg hat eine Fläche von 755 Quadratkilometern.

Naturreservat Extractive Reserve Cuniã Lake

Im Herzen dieses riesigen Waldgebietes liegt das noch weitgehend unzugängliche Naturreservat Extractive Reserve Cuniã Lake, das einen einzigartigen Lebensraum für Tier und Mensch darstellt. In Cuniã Lake leben mehrere Waldgemeinschaften im Einklang mit der Natur. Der Regenwald bietet ihnen alles Notwendige, um ihre traditionelle Lebensweise aufrechtzuerhalten, während die Gemeinschaften gleichzeitig den Wald vor Abholzung bewahren – eine Win-Win-Situation für Mensch und Natur.

Doch auch die Menschen in Cuniã Lake benötigen finanzielle Mittel, um beispielsweise Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu erhalten.  Dieses Projekt zielt darauf ab, gemeinsam mit den Menschen in Cuniã Lake die nachhaltige Produktion und Vermarktung von Paranüssen zu fördern. Da Paranussbäume nicht in Plantagen kultivierbar sind, werden ihre Samen, die Paranüsse, wild gesammelt. Es dauert bis zu zehn Jahre, bis ein junger Paranussbaum zum ersten Mal Nüsse trägt. Wenn es dann soweit ist, liefert er eine üppige Ernte mit bis zu 8000 Paranusskernen pro Baum und Erntesaison.

Die Ernte von Paranüssen findet in der Regel innerhalb von zwei Monaten während der Regenzeit statt, meist zwischen November und Januar. In dieser Zeit werden die Nüsse vom Boden aufgelesen, zu Sammelstellen gebracht und dort getrocknet. Von hier aus werden sie in der Regel sofort weiterverarbeitet und treten ihre Reise um den Globus an. Da die Waldgemeinschaften die Nüsse bisher bereits in der Erntesaison verkaufen, erhalten sie nur geringe Erlöse und können kaum ihren Lebensstandard sichern.

Ziel: Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Und genau hier setzt dieses Projekt an. Die Waldgemeinden benötigen Unterstützung, um die Nüsse entsprechend der geforderten Qualität für den internationalen Markt vorzubereiten und zu lagern. Im Rahmen von technischen Schulungen wird das Wissen an die Sammler vermittelt um bewährte Verfahren für Ernte und Trocknung zu etablieren und die Vermarktung und den Transport zu sichern.

Durch die Stärkung und Förderung der Waldgemeinde in allen Schritten der Lieferkette, zusammen mit der Vermittlung von Wissen über bewährte Verfahren und nachhaltige Landwirtschaft, werden die Strukturen innerhalb der Gemeinde aufgewertet und die natürliche Ressource Regenwald geschützt.

Lena engagiert sich seit mehr als zehn Jahren im Bereich Nachhaltigkeit. Bereits im Jahr 2008 hat sie einige Monate in der Waldgemeinschaft im brasilianischen Regenwald gelebt und für das Paranuss-Projekt gearbeitet und geforscht. Inzwischen hat Lena ein Diplom in Wirtschaftsingenieurwesen von der Technischen Universität Berlin erworben und erfolgreich ihre Doktorarbeit an der Universität Hamburg abgeschlossen. Zurzeit forscht sie im Bereich Anpassung an den Klimawandel durch die Verminderung der Abholzung von tropischen Regenwäldern durch die Anwendung ökonomischer Methoden.

Lena wünscht sich, dass durch unsere Hilfe eine unabhängige und nachhaltige Bewirtschaftung des Regenwaldes ermöglicht wird und gleichzeitig die lokalen Waldgemeinschaften gestärkt und gefördert werden.

Wenn ihr mehr über die wissenschaftlichen Hintergründe diese Projektes wissen möchtet, empfehlen wir euch Lenas Dissertation oder Veröffentlichungen.

Wir finden dieses Projekt ist ein ausgezeichnetes Beispiel für aktive Hilfe mit Fokus auf das nachhaltige Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur. Denn in diesem Projekt geht es nicht nur um die Hilfe an sich. Im Anschluss an die Durchführung der technischen Hilfsmaßnahmen wird das Projekt umfangreich ausgewertet, um herauszufinden wie viele Bewohner der Waldgemeinschaft an der Ernte teilgenommen haben und welche Regionen des umliegenden Regenwaldes abgesammelt wurden. Ziel ist es zu bestimmen wie und ob sich die Lebenssituation der Waldgemeinschaft verbessert und wie wertvoller tropischer Wald damit vor illegalem Holzeinschlag geschützt werden kann.

Aktuelles zum Projekt

Unsere Arbeit im amazonischen Regenwald ist an die Ernte und Trockenzeiten der dort natürlich vorkommenden Paranüsse gebunden. Seit Beginn des Projekts im Winter 2018 wurde die dort ansässige Waldgemeinschaft von unserem Partner NAPRA fachlich begleitet und unterstützt. Zu Beginn der Projektlaufzeit wurden neun einheimischen Familien Ihre Paranussernte abgekauft, damit diese nicht zu niedrigen Preisen an Händler verkaufen müssen. Schon alleine durch den Ankauf der Nüsse konnte, aufgrund guter Marktpreise in diesem Jahr, das Einkommen der Waldgemeinschaften gesichert werden. Die Nüsse wurden zum Trocknen aufgearbeitet und bis zum darauf folgenden Besuch im Juli 2019 gelagert.

Ziel des zweiten Projektbesuches war, die richtige Strategie für die Waldgemeinschaft zu finden um den Gewinn durch den Verkauf der Paranüsse zu maximieren. Gemeinsam wurde entschieden, dass ein kleiner Teil der Nüsse vor Ort von der Gemeinschaft prozessiert und verkauft wird. Der Großteil der Nüsse soll „roh“ in der Schale verkauft werden. So wird das Risiko für die Gemeinschaft gering gehalten, da der Arbeitsaufwand überschaubar bleibt und die Prozessierung noch gelernt werden muss.

Durch die Lagerung und das Prozessieren der Nüsse konnte im ersten Projektjahr der Gewinn für die Dorfgemeinschaft um mehr als 5-fache gesteigert werden. Der Erfolg hat weitere Paranuss-Sammler motiviert sich an dem Projekt zu beteiligen und das Verarbeiten der Nüsse zu lernen.

Die Projektregion

Das Naturreservat liegt in der Gemeinde Porto Velho in Rondônia. Es hat eine Fläche von 55.850 Hektar und wurde 1999 als geschützt anerkannt. Es ist als Artenschutzgebiet mit Management kategorisiert. Durch diese Kategorie sollen die Bedingungen gesichert und erhalten werden, die für den Schutz bedeutsamer Arten, Artengruppen und biotischer Gemeinschaften nötig sind. Wenn nötig, sind dazu auch menschliche Eingriffe erlaubt. Begrenzte Abschnitte dieser Schutzgebiete sollen der Öffentlichkeit zugänglich sein, damit diese ein Verständnis für die natürlichen Prozesse entwickeln kann.

Unser Partner vor Ort

Für dieses Projekt wollen wir gemeinsam Lena und der gemeinnützigen Organisation NAPRA zusammenarbeiten. NAPRA unterstützt bereits seit 1993 die nachhaltige Entwicklung von Flussgemeinschaften im westlichen Amazonasgebiet. Wir freuen uns das dieses Projekt dadurch einen starken und erfahrenen Partner vor Ort hat, der die partizipatorische Bewirtschaftung des Waldes unter Berücksichtigung der Kultur und des traditionellen Wissens seiner Bewohner unterstützt.

Durch Unterstützung dieses Projektes tragt ihr zum Erreichen folgender nachhaltiger Entwicklungziele bei:

UN Nachhaltigkeitsziel 8; SDG 8; Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum UN Nachhaltigkeitsziel 8; SDG 8; Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

UN Nachhaltigkeitsziel 12; SDG 12; Nachhaltiger Konsum und Produktion UN Nachhaltigkeitsziel 12; SDG 12; Nachhaltiger Konsum und Produktion

Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen

UN Nachhaltigkeitsziel 15; SDG 15 UN Nachhaltigkeitsziel 15; SDG 15

Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen