Meeresmüll als Bedrohung für Seevögel auf Helgoland

Auf Helgoland bauen Seevögel Plastikmüll in ihre Nester ein. Wir helfen, das Problem zu lösen.

Kurz zusammengefasst

Darum geht es

Dieses Projekt hat das Ziel, den Eintrag von Plastikmüll in die Nordsee zu reduzieren. Dazu wird der Einfluss von Makroplastik auf die Seevögel am Helgoländer Lummenfelsen untersucht. Dort sterben zahlreiche Basstölpel an den Folgen von Makroplastik, das sie in ihren Nestern verbauen. Wir unterstützen Elmar Ballstaedt, den ornithologischen Schutzgebietsbetreuer vor Ort, dabei, die Herkunft des Plastiks zu bestimmen und durch die Grundlage für die Reduzierung zu schaffen.

Projektland

Deutschland

Finanzierungsbedarf

1000 Euro

Ihr findet dieses Projekt und Elmar’s Engagement so großartig wie wir? Dann freuen wir uns gemeinsam mit den Basstölpeln auf Helgoland über euren Beitrag.

Plastikverschmutzung ist inzwischen ein allgegenwärtiges Problem – auch an deutschen Stränden. Doch der sichtbare Meeresmüll, den wir am Strand finden, macht nur einen kleinen Teil des im Meer vorhandenen Plastikmülls aus. Der größte Teil treibt im Meer oder ist bereits auf den Meeresboden gesunken. Es wird geschätzt, dass sich alleine in der Nordsee inzwischen bis zu 600.000 Kubikmeter Müll auf dem Meeresboden angesammelt haben. Das sind durchschnittlich 1.300 Plastikobjekte pro Quadratkilometer. Damit liegt die Nordsee im internationalen Vergleich im Mittelfeld. 

Meeresmüll – Plastik ist überall

Flaschen, Tüten und Strohhalme, Zigarettenfilter, Reste von Fischernetzen und Getränkedosen – Das sind nur einige Beispiele, die auf einem Strandspaziergang zu finden sind. Wieviel davon jedoch weltweit genau in unseren Meeren zu finden ist, ist ähnlich schwer zu schätzen wie dessen Herkunft. Plastikmüll wird auch immer mehr zum Problem für Tierbestände. Auf Helgoland sind alleine im letzten Jahr über 100 Seevögel durch die Folgen von Plastikmüll verendet. Sie nutzen es um ihre Nester zu bauen, verheddern sich und können sich nicht mehr befreien. 

Wie wollen wir das Problem lösen, wenn wir dessen Ursprung nicht kennen?

Kunststoff wird auf unterschiedlichen Wegen in die Meere eingetragen. Teile werden mit Abwässern über Flüsse ins Meer gespült oder direkt im Meer entsorgt. Auch die Schifffahrt trägt zur Vermüllung bei. Studien zum Eintrag von Müll in die Meere haben ergeben, dass etwa 80 Prozent des Plastikeintrags von Land und 20% direkt auf See eingetragen werden.  Noch kaum erforscht wurden bis heute die Auswirkungen auf Seevogelkolonien und die chemische Zusammensetzung des verbauten Makroplastiks. Besonders die Konsequenzen der Verstrickung in Plastikmüll auf Populationsebene werden vielfach unterschätzt. In Plastik verstrickte Tiere verenden häufig auf hoher See, wovon nur ein geringer Teil später an Land gespült wird. Die Auswirkungen auf Einzelindividuen sind gut dokumentiert, Abschätzungen auf Populationsebene fehlen jedoch weitestgehend.

Was, wieviel und woher?

Genau dieser Problematik widmet sich dieses Projekt. Im Detail sollen zwei Schwerpunkte behandelt werden: Erstens sollen das Ausmaß, die Zeitspanne des Eintrages und die Herkunft des Plastikmülls in den Brutkolonien sowie deren Auswirkungen auf Populationsebene untersucht werden. Der zweite Schwerpunkt liegt in der chemischen Analyse der gefundenen Plastikteile in den Nestern, um sie gegebenenfalls Industriesparten zuzuordnen und die jeweiligen Anwendungsgebiete festzustellen. Um ein Verständnis dafür zu bekommen, was die räumlichen und zeitlichen Aspekte des Eintrages betrifft, soll unter anderem untersucht werden, wann die Seevögel Kunststoffe als Nistmaterial sammeln und in ihre Nester verbauen. Auch wo sie genau nach Nistmaterialien suchen, ist bis jetzt nicht bekannt und soll ebenfalls untersucht werden. Wir von S3 unterstützen dieses Projekt, indem wir Teile der notwendigen Technik für die Beobachtung der Seevögel zur Verfügung stellen. Dies wird anhand von Wildkameras am Helgoländer Lummenfelsenund durch GPS-Besenderung einzelner Vögel durchgeführt.

Ihr wollt noch mehr über dieses Projekt erfahren? Dann schaut doch auf der Website des Projekts vorbei oder lest diesen Artikel auf Zeit-Online

Schon seit er zehn Jahre alt ist, begeistert sich Elmar Ballstaedt für die Vogelbeobachtung. Während seines Studiums der Umweltwissenschaften hat er sich für den Schwerpunkt Ornithologie entschieden und damit seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Für ein Praktikum ist er auf die Nordsee-Insel Helgoland gefahren und dort anschließend für seine Masterarbeit geblieben. Inzwischen arbeitet Elmar für den Verein Jordsand e.V. als ornithologischer Schutzgebietsbetreuer auf Helgoland und schreibt an seiner Promotion, die auch die Grundlage dieses Projektes ist. 

Es gibt Probleme, für die gibt es einfach noch keine umsetzbare Lösung. Den Tierbeständen auf Helgoland wäre am meisten geholfen, wenn in ihrem Lebensraum keine Kunststoffe zu finden wären, die sie fressen oder in ihren Nestern verbauen können. Einfach gesagt, müsste also das gesamte Plastik aus der Nordsee verschwinden und das Problem wäre gelöst. Da dieses Ziel zum jetzigen Zeitpunkt einfach utopisch ist, gibt es auch die Möglichkeit, das Plastik aus den Nestern zu entfernen. Aber auch das wurde im Vorfeld dieses Projektes schon versucht und hat nur dazu geführt, dass die Vögel nach neuen Materialien suchen und wieder Kunststoffe einbauen. 

Wir fördern dieses Projekt, weil es einen starken Praxisbezug hat. Selbst wenn es nicht zu einer direkten Lösung des Problems führen kann, wird es das langfristige Verständnis für die Problematik des Meeresmülls stärken. Denn in erster Linie geht es darum zu verstehen, welche Materialien von den Vögeln ausgesucht werden und wo deren Ursprung ist. Ohne das grundlegende Verständnis für die Problematik kann es keine umsetzbare Lösung geben. 

Die Projektregion

Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel und bietet mit seinem Felswatt, seinen Sanddünen und seinen Brutfelsen einzigartige Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen. In drei Schutzgebieten können Seevögel, Kegelrobben, Seehunde und Tangwälder aus nächster Nähe erlebt werden.

Am Lummenfelsen brüten im Frühjahr die verschiedensten Seevögel – vor allem Trottellummen, Dreizehenmöwen und Basstölpel, aber auch Tordalken und Eissturmvögel. Im Juni stürzen sich beim sogenannten Lummensprung die jungen Trottellummen, dem Ruf der Altvögel folgend, von den bis zu 40 m hohen Klippen in die Nordsee. Im November bringen die Robben ihre Jungen auf der Helgoländer Düne zur Welt, dem wichtigsten Wurfplatz für die bedrohte Kegelrobbe in der Deutschen Bucht. 

Unser Partner vor Ort

Dieses Projekt wird in Kooperation mit dem Jordsand e.V. durchgeführt. Der Jordsand e.V. setzt sich für den Schutz der Natur und besonders der Seevögel an der deutschen Nord- und Ostsee ein. Er fördert Naturschutz und wissenschaftliches Arbeiten in Küsten- und Meeresschutzgebieten, leistet Aufklärungsarbeit um eine moderne Naturschutz- und Umweltbildung zu unterstützen und setzt sich für den Erhalt bedeutender Brut- und Rastgebiete gefährdeter Wasser- und Watvögel ein.

Durch Unterstützung dieses Projektes tragt ihr zum Erreichen folgender nachhaltiger Entwicklungziele bei:

UN Nachhaltigkeitsziel 14; SDG 14; Leben unter Wasser UN Nachhaltigkeitsziel 14; SDG 14; Leben unter Wasser

Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen

UN Nachhaltigkeitsziel 15; SDG 15 UN Nachhaltigkeitsziel 15; SDG 15

Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen